Die Brauerei
zuletzt aktualisiert:
17.11.2011
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Am 24. November 1727 fassten alle Anderter Brauberechtigten (sie gehörten ja zum Großen Freien) den Entschluss, ein Gemeindebrauhaus zu errichten. Der geeignete Bauplatz außerhalb des damaligen Dorfes an zwei stark wasserführenden Quellen – als Brauereibrunnen vorgesehen – war die Stelle, wo heute das Gebäude „Am Tiergarten 4" mit Apotheke, Arztpraxen und einem Optiker steht. Da jeder Hofinhaber sein eigenes Bier braute, war die Qualität des Bieres leider nicht gleichbleibend. Man entschloß sich daher, einen Braumeister anzustellen. Trotzdem gab es unter den Brauberechtigten immer wieder Streitereien.
Die Unstimmigkeiten unter den Brauberechtigten legten sich erst, als am 26. Juni 1818 die Brauerei an H.L. Scheele verpachtet wurde. Von diesem Zeitpunkt an stieg auch die Qualität und Produktion des Bieres rapide an. Das von Braumeister Scheele produzierte Bier war ein Bitterbier ähnlich dem englischen „Ale".
Der ständig steigende Bierabsatz bewies, dass das Bier von den Verbrauchern gern getrunken wurde. Es war bald weit über Andertens Grenzen bekannt und beliebt.
Nachdem H. Scheele die Leitung der Brauerei 1859 übernommen hatte und Eigentümer geworden war, erfolgte 1864 ein Umbau der Brauerei. Zwei 20000 Zentner fassende Eiskeller wurden 1885 gebaut, die im Winter mit Natureis aus dem Eisteich aufgefüllt wurden.
Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, wurden Teile der Belegschaft und auch die Apfelschimmel des Fuhrparks eingezogen. 1917 mußte dann die Bierproduktion eingestellt werden; alle Edelmetalle der Brauerei wurden demontiert und in die Kriegsindustrie gesteckt.
1919 übernahm H.E. Scheele die völlig demolierte Brauerei; 1920 konnte die Bierproduktion wieder aufgenommen werden. Ein neuer Brunnen mußte aber gebaut werden, da der inzwischen erfolgte Kanalbau dem alten Brunnen und den Quellen das Wasser entzogen hatte.
Das Scheelesche Bier war wieder gefragt und so stieg ständig der Bierausstoß.
1927 wurde ein Maschinen- und Verwaltungshaus erbaut, das heute noch an der Ecke „Am Tiergarten"/„Oisseler Straße" am Marktplatz steht. Auch konnte in diesem Jahr das 200-jährige Bestehen der Brauerei gefeiert werden.
Das Bild zeigt das Brauereigebäude von 1927 mit Eiselevator und dem Neubau des Verwaltungsgebäudes.
Im zweiten Weltkrieg eingestellt, wurde 1948 der Brauereibetrieb wieder aufgenommen und erreichte 1955 fast wieder die 17 000 hl-Grenze, als H. Scheele verstarb. Leider war niemand aus der Familie in der Lage, den Brauereibetrieb fachmännisch weiterzuführen.
Die Braukontingente, wurden an Hannovers Großbrauereien verkauft, und damit gehörte wieder ein Teil Anderter Geschichte der Vergangenheit an. Nur die kleine, kopfsteingepflasterte Straße „An der Brauerei” erinnert noch an die Brauerei Scheele.

